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    aus der Internatsschule Lucius

Gelder für Menschen in Nepal und Myanmar bestimmt

Jordane Schönfelder (r.) war in Kathmandu, als die Erde bebte. Den Lucius-Schülern erzählt er, wie es vor Ort aussieht und was gebraucht wird. Die Kinder und Jugendlichen legen sich ins Zeug, um möglichst viele Runden ­ und damit Spendengelder ­ zu erlaufen. (Fotos: Dagmar Bertram)

Wir bedanken uns herzlich bei Dagmar Bertram – Redakteurin der Wetterauer Zeitung – für die Bereitstellung der Fotos und des Textes! Der vollständige Artikel ist erschienen in der Wetterauer Zeitung, Ausgabe 128, vom 6. Juni 2015.

2719-mal um den Sportplatz sind am Mittwoch die Schüler des Instituts Lucius gelaufen. Nicht etwa Bundesjugendspiele waren der Grund für den Ehrgeiz der Internatsschüler, sondern der gute Zweck. »Es ist Zufall, dass wir in eine Welt geboren wurden, die weit weg ist von Naturkatastrophen«, rief Schulleiterin Laura Lucius den Kindern und Jugendlichen in Erinnerung, bevor sie den Startschuss für den Spendenlauf gab. Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Anteilnahme seien
essenzielle Werte, ohne die keine Gemeinschaft funktionieren könne, auch die Internatsgemeinschaft nicht. Deshalb sei es wichtig, sich immer wieder des eigenen Wohlstands bewusst zu werden und an andere zu denken, denen es nicht so gut geht, und sie zu unterstützen.
Das Geld ­ pro Runde werden im Schnitt zwischen 1 und 1,50 Euro gespendet ­ kommt diesmal der Organisation »Aktion Hessen hilft«, genauer gesagt deren Schulaktion für Erdbebenopfer in Nepal, zugute. Außerdem wird das Medical Intervention Team unterstützt, das Menschen mit Gesichtsfehlbildungen in Myanmar/Burma operiert.
Seit 2009 führt die Schule jedes Jahr einen Spendenlauf durch, im Gedenken an die Internatsschülerinnen Cata, Lea und Nina, die vor sieben Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Lateinlehrer Mirko van Keeken hatte die Aktion ins Leben gerufen, durch die in den Vorjahren über 15 000 Euro an Spenden zusammengekommen sind.
Damit die Schüler so viele Runden wie möglich schafften, wurden sie auch von heimischen Unternehmen unterstützt. Der Rewe-Markt Meige in Echzell steuerte frisches Obst bei, ebenso die SB-Union in Gießen, die Bäckerei Löber aus Echzell stiftete Kuchen, von der ortsansässigen Metzgerei Schuh gab¹s Würstchen, und Event Kreutschmann aus Oppershofen hatte ein Zelt aufgestellt.

Kein Stein mehr auf dem anderen

Dort war auch Informationsmaterial von »Aktion Hessen hilft« ausgelegt. Der Ortenberger Tobias Greilich, der die Organisation 1991 als Schüler gegründet hatte, beantwortete die Fragen der Schüler. »Viele können sich nicht vorstellen, dass es etwas anderes gibt als Wohlstand«, erzählte Greilich. Besonders beeindruckte seine Rechnung, was mit den Spenden bewirkt werden kann: 60 Euro ermöglichen den Kauf von zehn Päckchen mit Hygieneartikeln, 90 Euro schenken zwei Familien ein Überlebenspaket mit Hilfsgütern wie Zeltplanen, Decken und Kochgeschirr.
Um so viele Spenden wie möglich für die Erdbebenopfer zu erlaufen, umrundeten nicht nur Schüler den Sportplatz. Auch Lehrer, Erzieher sowie Angestellte aus Haus, Hof, Küche und Garten schnürten ihre Turnschuhe, ebenso Mitglieder des Ehemaligenvereins Luciana, unter ihnen Markus Kissel und Edmund Keferstein, der die meisten Runden schaffte: 53. Mit dabei waren auch einige Abiturienten, die zwar keine Schulpflicht mehr haben, aber extra für den Lauf angereist waren. Von den Schülern hatten Louis Eichhorn, Nina Geisel, Moritz Gleissner, Johannes Jäk, Isabell Li, Yannik Höf, Clara Wießner, Lennard Asmus und Sonia Rottenmaier das beste Durchhaltevermögen.
Wofür sich die jungen Leute anstrengten, das machte ihnen Reisefotograf Jordane Schönfelder deutlich. Der ehemalige Lucius-Schüler, der 2009 in Echzell sein Abitur abgelegt hatte, lebt seit vier Jahren zeitweise in Nepal. Seit September 2014 war er wieder dort, um eine Reisegesellschaft mit karitativem Hintergrund aufzubauen. Das Beben erlebte er in Kathmandu. Als er hörte, dass es kaum möglich sei, ins Epizentrum 80 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt vorzudringen und zu helfen, wollte er das nicht glauben. Gemeinsam mit 20 anderen Freiwilligen machte er sich auf den Weg, um das Gegenteil zu beweisen. Und tatsächlich: Eine abenteuerliche Woche später war die Gruppe ­ als erste ­ in der Gegend angekommen, »in der kein Stein mehr auf dem anderen stand, die Häuser sahen aus wie Maulwurfshügel«. Die Menschen, die eben noch wohlhabende Bauern waren, hatten plötzlich nichts mehr.

Wie die Apokalypse

Nachdem Schönfelder und seine Mitstreiter ­ erst dank ihrer Ersparnisse, dann dank Spenden ­ die Erstversorgung mit Nahrung sichergestellt und Nothütten gebaut hatten, kommt es ihnen jetzt darauf an, langfristig zu helfen. Dringend sei es angesichts des beginnenden Monsuns, einen trockenen Lagerplatz für Reis zu schaffen. Wichtig ist Schönfelder auch, den jungen Menschen eine Perspektive zu geben. Deshalb will er die Schulstrukturen wieder aufbauen, was den Nebeneffekt hat, dass die Menschen in der Schule einen Schlafplatz finden.
»Die Menschen dort fühlen sich vergessen von der übrigen Welt. Das Erdbeben war wie die Apokalypse für sie«, kritisiert Schönfelder das nachlassende Interesse an der Region. »Das Land wurde 20 Jahre zurückgeworfen. Ich selber kann, wann immer ich möchte, zurück nach Hause, wo ein gefüllter Kühlschrank auf mich wartet.« Das können die Nepalesen nicht. Schönfelder hält Hilfe deshalb für (s)eine Pflicht.