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    aus der Internatsschule Lucius

Joseph von Eichendorff: Mondnacht

Es war, als hätt’ der Himmel
die Erde still geküsst, (Kuss im Hintergrund)
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst‘.

Die Luft ging durch die Felder, (Windgeräusche)
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis’ die Wälder, (Rauschen von Blättern)
so sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus, (majestätischer Flügelschlag)
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus. (Haus öfter wiederholt mit hauchender Stimme)

Für das Gedicht „Mondnacht“ von Eichendorff entschied ich mich, da es sich nach meinem sehr persönlichen Interpretationsansatz auch mit dem Tod beschäftigt. Der Tod und auch das, was danach passiert, beschäftigt die Menschheit schon seit Jahrtausenden. Schon die ersten zwei Verse lassen auf einen Übergang des lyrischen Ichs von der Erde in den Himmel schließen. Ich habe mich bei der Haupthintergrund-Instrumentalisierung für eine sehr düstere und geheimnisvolle Harmonisierung entschieden, da ich die Vertonung nach dem Interpretationsansatz, dass hier ein Sterbender als lyrisches Ich berichtet, vertont habe. Die Harmonisierung soll das Geheimnisvolle und Düstere des Sterbens wiederspiegeln. Die verschiedenen einzelnen Zusatzgeräusche, wie zum Beispiel der Kuss in Vers zwei, die Windgeräusche in Vers fünf, das Rauschen der Blätter in Vers sieben usw. sollen die Vorstellungskraft anregen. Der majestätisch klingende Flügelschlag in Vers zehn soll symbolisieren, wie majestätisch und besonders die Seele des Menschen ist und dass sich die Seele des Menschen während des Sterbens vom körperlichen Dasein absagt und sich auf die Reise an einen anderen Ort macht. Das vertritt die Vorstellung vieler Menschen, welche besagt, dass jeder Mensch eine Seele habe und unsere Gefühle nicht nur neuronale Begleiterscheinungen seien. Auch symbolisiert der Flügelschlag einen Neuanfang nach dem Tod. Das Wiederholen des letzten Wortes des Gedichtes und auch die Stimme, welche sich immer mehr wie ein Hauch anhört, soll den letzten Hauch des lyrischen Ichs vor dem Tod darstellen. Danach wird der Ton immer lauter und bedrückender. Das soll die letzten Momente vor dem Tod des lyrischen Ichs darstellen, bis eben ruckartig alles vorbei ist und der Zuhörer nicht erahnen kann, ob es jetzt für die Seele einen Neuanfang gibt oder nicht. Das ruckartige Ende symbolisiert auch den Fatalismus, welcher in der Frage nach dem Tod liegt. Keiner kann die Frage beantworten, was nach dem Tod passiert und jeder muss sich auch mit dem Schicksal abfinden, dass der Tod zu jedem kommt. Das Gedicht lässt den Leser erahnen, was nach dem Sterben mit der Seele passiert, denn am Ende des Gedichts ist es, so als flöge die Seele „nach Haus“. Kommt sie im Himmel an oder nicht? Gibt es einen Himmel? Gibt es einen Gott oder ein Reich Gottes, welches wie ein Zuhause für die Seele ist? Das sind die Fragen, welche meine Vertonung beim Zuhörer auslösen soll.

Yannick Höf

Q2 Deutsch LK