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    aus der Internatsschule Lucius

Die Lucius-Familie – mehrere Generationen Schulleitung und Absolventen

Es ist wahrlich nicht alltäglich, dass ein Filmproduzent mit seinem Regisseur aus der Hauptstadt anreist, um rund 140 Schülerinnen und Schülern seinen neuesten Film persönlich zu präsentieren. Im Falle von Clemens Schaeffer, Chef der Neue Film Produktion (NFP) Berlin, jedoch fast selbstverständlich. Schließlich ist er als Absolvent der Internatsschule Lucius selbst ein Mitglied der „Lucius-Familie“. Genauso wie seine aktuelle Werkstudentin Chiara Baumgarten, die ebenfalls zum Kino-Special an ihre alte Wirkungsstätte zurückgekehrt war.

Zu »Bach in Brazil«, der derzeit in den Kinos läuft, haben die Internatsschüler aus Echzell einen besonderen Bezug: Produzent Clemens Schaeffer ist auch dort zur Schule gegangen. Nun war er mit Regisseur Ansgar Ahlers und seiner Werkstudentin Chiara Baumgarten, ebenfalls frühere Lucius-Schülerin, in der Wetterau, um mit den Jugendlichen über den Film zu sprechen.

Clemens Schaeffer, der Produzent des Kinofilms »Bach in Brazil«, hat mit seiner Werkstudentin Chiara Baumgarten eine Sondervorführung für ihre ehemalige Internatsschule, das Institut Lucius in Echzell, organisiert. Das Angebot, nach dem Film von Regisseur Ansgar Ahlers mehr über die Thematik und das Filmemachen zu erfahren, nahmen sehr viele Schüler begeistert an. »Bach in Brazil« erzählt ein modernes Märchen. Ein Musiklehrer (gespielt von Edgar Selge), der nur noch für die Musik lebt und sich den Menschen verschlossen hat, erbt von seinem Jugendfreund die Notenabschrift eines Bach-Sohns. Die auf drei Tage geplante Reise, um die Noten in Brasilien abzuholen, wird zu einem Wendepunkt in seinem Leben.

Nachdem er ausgeraubt wird, lernt er die Täter und deren Leben in einer Jugendstrafanstalt kennen. Ein brasilianischer Vertrauter überredet ihn, den Kindern Musikunterricht zu geben. Im Gegenzug werde er die Noten wieder beschaffen. Das Projekt verändert nicht nur das Leben des Lehrers, sondern auch das der Kinder und selbst die Strafanstalt.

Dass die Geschichte ein sehr mildes Bild des brasilianischen Strafvollzugs zeichnet, ist dem Regisseur bewusst. »Wir wollten keinen bösen Knast zeigen«, sagt Ahlers. Schließlich solle der Film Familien ohne Altersbeschränkung ansprechen. Dennoch gelingt es, das Thema Jugendkriminalität und Auswege zu vermitteln.

»In Brasilien haben die Leute noch mehr Tränen in den Augen nach dem Film, weil sie mit den Kindern fühlen«, hat der Regisseur beobachtet. In Deutschland sei das Publikum dagegen mehr auf der Seite des verschrobenen Musiklehrers.

Doch auch die Internatsschüler, mit ihrem im Vergleich zu den brasilianischen Kindern sehr sicheren Leben, sehen die sozialen Probleme. Dabei haben sie durchaus kritische Fragen an die Macher des Films. »Was ist mit diesen beiden Brüdern passiert, haben Sie die einfach wieder in die Slums geschickt?«, möchte ein Schüler über die Hauptdarsteller wissen. Ahlers ist sich der Problematik durchaus bewusst. Denn natürlich haben die Dreharbeiten den jungen Darstellern den Besuch in eine andere Welt ermöglicht. Besonders das Ende des Films, das in Deutschland gedreht wurde, muss den Kindern wie ein Märchen vorgekommen sein.

Der Regisseur berichtet, dass er über Facebook immer noch mit den Darstellern in Kontakt sei. Auch das Filmpublikum könne diesen Kommunikationsweg nutzen. Für viele Darsteller, vor allem für den beim Dreh erst 14-jährigen Hauptdarsteller, habe der Film auch das reale Leben positiv verändert. Die Rolle habe es dem Jungen ermöglicht, aus der Armut auszubrechen. Er habe jetzt eine Rolle in einer brasilianischen TV-Serie.

Mehr als 50 Schüler diskutieren nach dem Kinobesuch noch in ihrer Freizeit mit Ahlers über den Film und das Filmemachen. Einige möchten wissen, wie sie selbst bei Filmprojekten mitmachen können. Der Regisseur verdeutlicht, dass Filmemachen neben dem Spaß, den er an seinem Beruf hat, vor allem ausdauernde und genaue Arbeit ist. »Wenn ich eine Geschichte mache, in der ich sage, man soll an die Kinder glauben, die im Jugendknast sind, dann möchte ich das auch so emotional wie möglich rüberbringen«, erläutert er. Deshalb achte er auf kleinste Details wie die Wirkung der Musik. »Ich merke, dass Sie sich über ganz viele Details Gedanken machen«, wundert sich ein Schüler. »Das schöpft der Zuschauer doch

gar nicht aus, weil er das Hintergrundwissen nicht hat.« Ahlers räumt ein, dass viele Einzelheiten nicht sofort ins Auge fallen, doch für die Glaubwürdigkeit wichtig sind. Deshalb lohne es sich, den Film auch ein zweites Mal zu sehen.

(Bericht aus der Wetterauer Zeitung – Oliver Potengowski – vom 15. April 2016)

Drei Fragen an den Produzenten

Wie sind Sie zu dem Filmprojekt »Bach in Brazil« gekommen?

Clemens Schaeffer: Bei den Dreharbeiten zu dem Spielfilm »Luther « habe ich Ansgar Ahlers kennengelernt. Seitdem standen wir in Kontakt, und er hat uns »Bach in Brazil« vorgestellt.

Welche Aufgaben hat ein Produzent?

Schaeffer: Das kann sehr unterschiedlich sein. Regisseur Ahlers hatte mit »Bach in Brazil« schon ein ziemlich weit gediehenes Projekt. Über eine brasilianische Koproduktion war die Finanzierung dort gesichert. Er brauchte einen erfahrenen Produzenten für die Finanzierung und Ausführung des Films in Deutschland. Bei anderen Projekten beginnt unsere Tätigkeit

dagegen schon mit der Stoffauswahl. Der Produzent entwickelt dann den Stoff und das Drehbuch mit. Auch die Auswahl von Drehorten kann Aufgabe des Produzenten sein. So haben die brasilianischen Koproduzenten Ahlers auf die frühere Goldgräberstadt Ouro Preto

aufmerksam gemacht.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Schaeffer: Im Mai wollen wir mit den Dreharbeiten von »Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner« nach der Romanvorlage von Kerstin Gier beginnen. Regie wird Pepe Danquart führen, einer der wenigen Oscar-Preisträger, die wir in Deutschland haben. Gedreht wird sechs Wochen lang in Wiesbaden, Frankfurt und Umgebung.