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    aus der Internatsschule Lucius

Toleranz und religiöse Pluralität am Beispiel von Kopftuch und Burka
Zusammenfassung und Bewertung einer Vorlesung von Prof. em. Dr. Rudolf Steinberg

Zunächst wird Herr Steinberg vorgestellt von Prof. Dr. Susanne Schröter, tätig im Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“. Der Vortrag handelt von der Toleranz die Kopftuch- und Burkaträgerinnen gegenüber gebracht werden müsse. Zunächst sagt Steinberg, dass die Grenzen der Toleranz beim Tragen der Burka in der Öffentlichkeit lägen. Er fände von daher ein Burkaverbot, insbesondere für öffentliche Berufe, wie zum Beispiel Lehrer, Kindergärtner o.ä., angemessen.
Ein Kopftuch bedeute eine klare kulturelle Abgrenzung und Desintegration und der staatliche Erziehungsauftrag von Lehrern und Erziehern sei nicht erfüllbar durch eine solche Abgrenzung und Desintegration.
Die Schule müsse ein offener Ort sein, in dem es keinen Platz für Isolierung gibt. Jeder Mensch, egal welcher Religion er sich angehörig fühle bräuchte zwar einen Ort für Offenheit und gleichberechtigte Beteiligung, dieser solle aber nicht in der Schule liegen.
Gesellschaftliche Konflikte, wie zum Beispiel das Tragen des Kopftuches oder der Burka würden zu oft über die Schule ausgetragen werden, so Herr Steinberg. Das Toleranzprinzip bestünde in einem unterschiedlichem aber friedlichen Zusammenleben aller. Diese Toleranz müsse zwar in den Schulen geübt werden, aber nicht mit Hilfe von abgrenzenden und desintegrierenden religiösen Symbolen wie der Burka oder des Kopftuches. Solche Symbole seien in der Gesellschaft als Intoleranz gewertet, da das Kopftuch oftmals als eine Unterdrückung der Frau verstanden wird, die aufgrund dessen in ihrer Identitätsfestlegung eingeschränkt werde. Diese These ist aber weder nachgewiesen, noch von allen Menschen anerkannt. Toleranz wird also oft als Duldung dieser Unterdrückenden Maßnahmen verstanden.
Es gäbe sogar Menschen, die der Meinung seien, dass die Würde der Mütter der nichtkopftuchtragenden Mädchen in der Schule herabgesetzt werde. Ein Kopftuch werde aus Selbstbestimmung getragen und die Entscheidung dazu käme aus Eigenmotivation. Es sei der Ausdruck einer individuellen Entscheidung und der eigenen Art von Verwirklichung. Solche Aussagen seitens Kopftuchtragender Mütter führen zu Unterschiedlichen Wertvorstellungen und zu unterschiedlichen Aussagen, wegen denen man nicht mehr weiss, woran man glauben solle.
Der Professor ist zwar der Meinung, dass eine Gleichbehandlung aller Religionen nötig sei, aber dass ganz klar christliche Symbole Privilegiert werden und deswegen ein Burkaverbot nachvollziehbar seien würde. Die Burka führe zu einer Verhüllung, die die Frage der Sichtbarkeit offen ließe. Die westliche Welt basiere auf dieser Sichtbarkeit. Demnach passe ein Symbol der Differenz, wie es die Burka darstellt, nicht in die westliche Welt. Frauen, die eine Burka tragen wollen ihre Erscheinung nicht zeigen und sich nicht an die westlichen Bekleidungsnormen halten, denn eine Burka sei nicht mit westlichen Bekleidungen auf einen Nenner zu bringen. Dies führe zu einer wechselseitigen Toleranz, die keine Konstante habe. Die Frage nach Toleranz sei eine Frage nach Macht, bei der es keine objektiven Grenzen gäbe.

In Frankreich sei das Design des Kopftuches entscheidend, was der Professor aber eher kritisch sieht. Der Widerspruch des Kopftuchs zu den französischen Normen führe aber auch dort zu einem selektiven Pluralismus und zu beschränkter Toleranz. Die öffentliche Ordnung seien ungeschriebene Regeln. Diese ungeschriebenen Regeln seien eine Begründung für eine Einschränkung der Religionsfreiheit und somit eine Begründung für das Burkaverbot.
Nach einem solchen Verbot sei aber damit zu rechnen, dass es als Aufruf zu einem Bruch mit den Gesetzen verstanden wird, vor allem von Jugendlichen. In Frankreich gäbe es zwar bereits ein solches Gesetz, es werde aber nicht durchgesetzt.
Der Professor wirft in den Raum, ob die Kontroversen die durch die Diskussionen über das Thema Kopftuch und Burka entstehen eventuell ein Symptom für einen tieferen Konflikt sind, der daraus besteht, dass der Islam einfach nicht in die westliche Welt passt.

Dies unterstützen Aussagen der deutschen Bevölkerung ,wie zum Beispiel: „Wer ein Kopftuch trägt ist nicht Deutsch!“. Seid dem Unglück der Twin Tower in Amerika am 11.09.2001 würden Ausländer als eine Bedrohung angesehen werden. Ganze 57% der Deutschen sehen den Islam als eine Bedrohung an. Und diese Zahl entstand vor der Flüchtlingswelle. Der Professor betont, dass er nicht weiss wie diese Prozentzahl seid den Flüchtlingswellen in die Höhe geschossen ist.
Die einzige Bedrohung, die er sieht ist die Unfähigkeit das Vertrauen und die Liebe der eigenen Kinder zurückzugewinnen. Die Kinder würden die Werte weitergeben, die ihnen von ihren Eltern vermittelt worden seien. Um die Illusion einer Bedrohung der Islamisten loszuwerden, müsse man den Muslimen Integrationshilfe anbieten. Mit dem Islam solle aktiv und offen umgegangen werden, damit keine Segregation und keine Stigmatisierung mehr entstehen kann.
Eine Frage die der Professor sich stellt ist, ob man sich von radikalen Gruppierungen trotz Toleranz abgrenzen müsse. So genannte Salafisten würden die Trennung von Religion und Staat, und somit die Demokratie, ablehnen.
Unsere Verfassungsgrundsätze dürfen aber keinesfalls missachtet werden. Somit ist eine Trennung der Religion und des Staates in Deutschland überhaupt nicht möglich, ohne diese Grundsätze zu verletzen.
Trotz dieser radikalen Gruppierungen, die sich eindeutig gegen die deutschen Verfassungsgrundsätze aussprächen, dürfe es keine Toleranz für Intoleranz geben. Unsere Gesellschaft sei schon lange nicht mehr ethisch homogen, was eine Rückbindung an unumstößliche Werte nötig mache. Diese Rückbindung an Werte müsse innerhalb der Grenzen der Toleranz stattfinden.
Um dies umzusetzen bräuchte man viel Geduld, denn man dürfe Muslime nicht mit westlichen Modernisierungen überfordern. Außerdem müsse die Diskussion über die Festlegung der Werte und insbesondere über die Festlegung der Grenzen der Toleranz von aufgeklärten Menschen durchgeführt werden.

Anschließend an den Vortrag fand eine Diskussionsrunde statt, in der man Fragen stellen und sich zu dem Vortrag äußern durfte. Im folgenden werde ich ein paar der Argumente, die mir im Kopf geblieben sind, nennen und bewerten. Das Argument, was ich am extremsten fand war, dass man die Burka mit der SS Uniform vergleichen könne. Von dieser Meinung nehme ich persönlich großen Abstand, da ich denke, dass dieser Vergleich weder einen Sinn ergibt, noch in irgendeiner Weise nachvollziehbar ist. Das nächste Argument, dass ich gerne nennen möchte ist, dass jemand gesagt hat, dass Der Professor zwar am Ende seines Vortrages meinte, dass die Diskussion über Toleranz nur von einem aufgeklärten Menschen geführt werden könne, aber der Professor selbst nicht aufgeklärt alle Argumente für und gegen die Burka genannt habe. Mit dieser Aussage stimme ich überein. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass der Vortrag nicht einhundertprozentig aufgeklärt war, sondern sehr subjektiv. Ich denke, dass man etwas nur aufgeklärt vermitteln kann, wenn man objektiv bleibt und seine eigene Meinung weitgehend raushält.
An diesem Punkt möchte ich gerne zu meinem eigenen Fazit über das Thema Toleranz und Burka kommen. Ich denke, dass das Burkaverbot in öffentlichen Berufen und an öffentlichen Plätzen angebracht wäre, da ich genau so wie der Professor, der den Vortrag gehalten hat, der Meinung bin, dass die Sichtbarkeit ein entscheidender westlicher Wert ist, auf den ich nicht verzichten möchte. Ich finde es wichtig die Mimik meiner Mitmenschen sehen und deuten zu können, da ich denke, dass nonverbale Kommunikation wichtig ist.
Alles in allem hat mir der Vortrag sehr gut gefallen. Ich fand ihn sehr interessant und er hat mir persönlich viel zum nachdenken mit auf meinen Weg gegeben. Ich habe mich mit einem Thema auseinandergesetzt, mit dem ich vorher nicht wirklich konfrontiert worden bin.

Ich möchte gerne Frau Ellenberger danken, dass sie uns diesen Ausflug ermöglicht hat.

Sophie Pfüller

Verantwortlich: Frau Ellenberger