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    aus der Internatsschule Lucius

Unser Burggespräch im November berührte, bewegte und regte an. Frau Dr. Julia Berkei und Herr Dr. Barun Sakar, Gründer der Hilfsorganisation Medical Intervention, fesselten mit ihrem Vortrag unsere Schülerinnen und Schüler vom ersten Moment an – absolute Stille im Raum, atemlos und fasziniert lauschte das Publikum unseren Referenten, die von ihrem Einsatz in Myanmar, einem buddhistischen Vielvölkerstaat in Südostasien mit Grenzen zu Indien, Thailand, China, Laos und Bangladesch, erzählten.

Das Medical Intervention Team e.V. (MIT) – www.mit-ev.com/index.php – ist ein gemeinnütziger Verein, der im Jahr 2009 von der Frankfurter Plastischen Chirurgin, Dr. Julia Berkei und dem Frankfurter Hals-Nasen-Ohrenarzt, Dr. Barun Sarkar, gegründet wurde. Erfahrene Plastische Chirurgen, Fachärzte für HNO-Heilkunde, Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen, Anästhesisten, Zahnärzte und Oralchirurgen haben sich zusammengeschlossen, um hilfebedürftigen Menschen aus Entwicklungsländern und Krisengebieten unentgeltlich zu helfen. Bei ihren Einsätzen liegen den Ärzten die Kinder besonders am Herzen. Bei ihnen sind die so genannten Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (ugs. Hasenscharte, Wolfsscharte) sehr verbreitet. Behandelt werden können die meisten Betroffenen bislang nicht, da die medizinische Versorgung in der Klinik – wie im gesamten Land – nicht annähernd ausreicht. Die Folgen für die kleinen Patienten sind dramatisch. Oft werden sie von Mitmenschen gemieden und von der Gesellschaft ausgegrenzt. Viele Kinder sind chronisch unterernährt, da die Nahrungsaufnahme erschwert ist. Hinzu kommt es oft zu Zahnfehlstellungen, Sprachentwicklungsstörungen sowie chronischen Infekten im Hals-Nasen-Rachenraum.

Ausgerüstet mit allen notwendigen OP-Apparaten, von den Medikamenten bis hin zu den Beatmungsgeräten, unterstützt von Mitarbeitern der Arztpraxen, finanziert aus Spendenggeldern und privaten Mitteln, fliegt das Medical Intervention Team los, um vor Ort zu helfen.

Dr. Julia Berkei und Dr. Barun Sarkar schilderten die Entwicklung von Medical Intervention – von der Idee zum ersten Einsatz, von den Schwierigkeiten vor Ort, von der anfangs schwierigen Organisation bis hin zu den ersten operierten Kindern, ihre Freude und die Dankbarkeit der Familien. Beeindruckend sind die mitgebrachten Bilder und der Film, der die Operationen in den einfachen Op-Sälen zeigt, die Kinder vor und nach den Operationen vorstellt. Der Film macht deutlich, unter welchen anderen und vor allem sehr einfachen Voraussetzungen in einem Land wie Myanmar ein Krankenhaus aussieht und medizinische Versorgung stattfindet. Berührend sind die Kinderfotos, die die zum Teil sehr entstellten kleinen Kindergesichter zeigt und dann aber auch die fabelhaften Ergebnisse nach den Operationen.

Bewegend auch die Erzählung von Frau Dr. Berkei, wie schwierig es ist, bei jedem Einsatz zu entscheiden, welche Kinder operiert werden können und welche Familien man auf ein nächstes Mal vertrösten muss. Bewunderung ist bei den Zuhörern zu spüren, wenn die beiden Ärzte schildern, wie sie von früh morgens bis spät abends unentwegt operieren; mehrere Eingriffe finden gleichzeitig in einem Raum statt, damit man in der kurzen Zeit möglichst vielen Kindern helfen kann.

Beim letzten Einsatz besuchte Medical Intevention auch einige Waisenhäuser und erfreute die Kinder mit Fußbällen.

Frau Dr. Berkei bedankte sich bei allen unseren Schülerinnen und Schülern, die im Mai bei unserem traditionellen Spendenlauf über 4300 € erliefen, um sie Medical Intervention zu spenden.

Dem Vortrag der beiden engagierten und sympathischen Ärzte folgten viele Nachfragen . So war auch nach Ende der offiziellen Veranstaltung ein Kreis von Schülern um Julia Berkei und Barun Sarkar, die alle Fragen geduldig beantworteten. Neben diesem ganz besonderen Einblick in eine ganz andere Welt als die unsere, luden sie die an Medizin interessierten Schülerinnen und Schüler ein, in ihren Praxen ein Praktika absolvieren zu können.

Das Burggespräch schwang nach in diesen Novembertagen und ich denke, dass dieses bewundernswerte Engagement der beiden Fachärzte und des gesamten Medical Interventions Teams nicht nur nachdenklich machte, sondern auch den ein oder anderen anregte, über den eigenen Horizont hinaus zu schauen, seine eigenen Ansprüche zu überdenken und vielleicht sich selbst zu engagieren – sei es finanziell und /oder mit persönlichem Einsatz.

Unser Dank an Frau Dr.Julia Berkei und Herrn Dr. Barun Sarkar für diesen besonderen Vortrag ist groß und kommt von Herzen – das Engagement unserer Schule für Medical Intervention wird mit diesem anrührenden Abend nicht beendet sein.

vk