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    aus der Internatsschule Lucius

Das scheint das Jahr der Ehemaligen zu werden: Björn Rustemeyer, Abi 2000, eröffnete den Reigen mit unserem ersten Burggespräch im Januar 2015; einen Abend später ist Friedhelm Beseke, Abiturjahrgang 1973 mit seiner Frau Christa zu Besuch und schneidet das rote Band zur Eröffnung des neuen Bistros durch; heute Abend ist Christian Mühlenberg zu Gast, der morgen eine Chemievorführung vor unseren Schülern präsentieren wird – von all diesen Begegnungen werden wir an dieser Stelle berichten!

Aber beginnen wir mit Björn Rustemeyer, der seit der sechsten Klasse bei uns war und im Millennium- Jahr sein Abitur ablegte. Mitte Januar, gut aufgelegt und bestens vorbereitet, klingelte Björn an der Haustür der Burg. Im Gepäck hatte er eine fabelhafte und ausführliche Präsentation für unsere Schüler und Schülerinnen der Oberstufe mit der Überschrift: „Aus dem Internat Lucius über das Militär in die Logistik“.

Den Titel seines Vortrags hatte er mir schon zuvor genannt und ich gebe zu, ich habe darüber sinniert- wo ist da bitte der rote Faden?

Nach seiner Präsentation wusste nicht nur ich – den roten Faden gibt es, aber hallo! Faszinierend und voller Spannung erzählte uns Björn aus seiner Zeit im Internat, die ihn nicht nur das Lernen lehrte, sondern auch beibrachte, mit vielen Menschen zurechtzukommen, sich zu arrangieren, Spaß zu haben und doch immer wieder zurück zu finden zu den ernsteren Dingen des Lebens. Ausgerüstet mit dem Abitur, erprobt in den Theaterstücken mit Herrn Müller und einem kleinen, feinen Zitatenschatz aus Faust zog es Björn zunächst zur Bundeswehr und hier dann ziemlich zackig in die Offizierslaufbahn. Mit 26 Jahren wurde er nach Afrika entsendet, um als Betreuungsoffizier nicht nur eine eigene Truppe zu befehligen, sondern auch und vor allem die außergewöhnlichsten logistischen Herausforderungen zu bestehen. Dass das nicht immer so einfach ist wie für uns in Europa, kann man sich sehr gut vorstellen und dass diese Herausforderungen Geschick, Durchsetzungsvermögen und Phantasie benötigen ebenso!

Sehr emotional erzählte uns Björn auch von den schwierigen Situationen während dieser Zeit; von der Demut, die ihn befiel, wenn er mit der Armut der Einwohner konfrontiert wurde; von der Dankbarkeit, die man empfand, wenn die für uns selbstverständliche Dinge im fernen Afrika zum Luxus gehören; von der Freude, wenn man schier Unmögliches möglich machen konnte oder in Gefahrensituation gehorchte und reagierte und sich im Anschluss damit auseinandersetzten musste, in sich hörend, war das richtig, war das falsch. Die Schilderungen über seine Zeit in Afrika waren beeindruckend und mit eindringlichen Fotos belegt, so dass viele Schüler Fragen hatten, die Björn gerne beantwortete. Es war auch heute wieder eine interessierte Stille bei unserem Burggespräch und auch die letzten Zweifler, die vielleicht dachten – Logistik? Will ich nicht und brauch ich nicht! – hörten aufmerksam zu. Logistik: ein faszinierendes Thema, das hatte Björn aus seiner Bundeswehr-Zeit und Afrika mitgebracht und so war es für ihn naheliegend, Maschinenbau mit Schwerpunkt Logistik zu studieren und heute als Standortleiter und Beauftragter für Nachhaltigkeit der Seifert Logistics Group in Ulm zu arbeiten. Supply Chain Management- was ist das und wie funktioniert es und welche Berufsmöglichkeiten es darüber hinaus noch rund um das Thema Logistik gibt- all dies gab Björn der Oberstufe mit auf den Weg. Mit einigen Schülern und Erziehern saßen wir noch im Silentium zusammen und unterhielten uns über Afrika, Politik, die Schule, die Bundeswehr, das Internat, das Aussteigen- immer wieder! Es waren interessante Stunden mit Björn, von der kleinen Logistik im Internat, zur fernen und schwierigen Logistik in Afrika bis hin zum Supply Chain Management – der rote Faden hatte sich gesponnen und um uns gelegt…!

Im kleinen Kreis in der rosafarbenen Küche klang der Abend mit Luise Schüssler und Björn Rustemeyer aus- viele Anekdoten, viele Schüler, Erzieher und Lehrer ließen wir auch an diesem Abend wieder vor unserem geistigen Auge Revue passieren! Wir danken von Herzen im Namen aller für diesen ganz besonderen Abend und dieses eindrucksvolle Burggespräch!