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    aus der Internatsschule Lucius

Welche Speisen und Getränke sind eigentlich typisch für Frankfurt und unsere Region? Wie hat die Stadt die Lebens- und Ernährungsweise der Menschen geprägt? Diesen Fragen ging eine Projektgruppe der Internatsschule Lucius im Rahmen der diesjährigen Projektwoche nach. Unter anderem wollten wir klären, wie bestimmte Lebensmittel zu typischen Spezialitäten der Frankfurter Küche geworden sind. Eine mögliche Antwort hofften wir im Rahmen einer Betriebsführung durch die Traditionskelterei Possmann zu finden.

Nach der Ankunft auf dem Gelände der Kelterei bekamen wir von unserem motivierten Guide zunächst einige Informationen zur Geschichte der Kelterei und ihres wichtigsten Produkts. Die Tatsache, dass im Raum Frankfurt und Umgebung der Apfelwein heute als Getränk etabliert ist, geht unter anderem auf ein unschönes Ereignis zurück: Im Jahr 1873 wurden in Frankfurt die Bierpreise um 12,5% erhöht, was besonders die weniger wohlhabende Bevölkerung traf. In der Folge kam es zu den heftigsten sozialen Unruhen in Frankfurt seit der Märzrevolution von 1848, welche schließlich mit Hilfe der preußischen Armee gewaltsam niedergeschlagen wurden. Zwanzig Menschen starben – nur, weil der Bierpreis erhöht worden war. In der Folgezeit schwenkten immer mehr Menschen auf den günstig zu habenden „Äppler“ um, sodass sich dieser als regionales Getränk etablieren konnte. Auch heute noch stammen mindestens 51% der verwendeten Äpfel – in der Regel deutlich mehr – auch tatsächlich aus hessischen Anbaugebieten.

Im weiteren Verlauf der Führung durch die Gebäude waren die Dimensionen der Maschinen und Lagertanks besonders beeindruckend. Im Herbst werden mehrere hundert Tonnen Mostäpfel in zwölf Meter tiefen Trichtern im Boden abgeladen, unter denen Helfer zunächst die Qualitätskontrolle der Äpfel vornehmen. Hier wird über einige Wochen rund um die Uhr im Schichtbetreib gearbeitet, damit kein einziger fauler Apfel mit in die Presse gerät.

Ein besonderes Kuriosum findet sich im Lagerkeller: Nach der Presse wird ein Teil des Apfelweins in 60.000 Liter fassenden Tanks gelagert, die quasi ein Recyclingprodukt aus dem Zweiten Weltkrieg sind. Nach Kriegsende erwarb die Brauerei drei U-Boote, welche von der Kriegsmarine bestellt worden waren, aber nach der Kapitulation keine Verwendung mehr fanden. Die haushohen Druckkörper dieser U-Boote wurden im Keltereikeller verankert und beherbergen seitdem jährlich den Apfelmost. Wie wir fanden eine deutlich sinnvollere Verwendung als die ursprünglich vorgesehene. Auch ein großer Teil der Steine, aus denen das Gebäude der Kelterei besteht, entstammt einer ehemaligen Kaserne, die nach dem Krieg abgerissen wurde. So hatte die hessische Getränkeindurstie einen aktiven Anteil an der erfolgreichen Demilitarisierung nach dem Krieg. Zudem stellt die Anlage ein beeindruckendes Beispiel dafür dar, wie Menschen nach schweren Jahren neuen Mut fassten und sich daran machten, gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten. Für uns Mahnung und Ansporn zugleich.

Bei der abschließenden Verkostung blieb der Apfelwein wegen des Alkoholgehalts zwar außen vor, aber die breite Palette verschiedener regionaler Apfelsäfte ließ uns mit einem bleibenden Eindruck hessischer Keltereiexpertise nach Echzell abreisen.